Wir wollen die Stiftung Neue Synagoge Berlin immer wieder neu zu einem Ort machen, von dem möglichst viele Besucher*innen am Ende ihres Aufenthalts sagen, dass sie „etwas mitgenommen“ haben. Keine Exponate hoffentlich, aber eine Stimmung, eine interessante kleine Neuigkeit, viele Antwortmöglichkeiten auf eine Frage, die sie „schon immer“ hatten, oder vielleicht auch die vage Idee, dass es ein weiteres kleines Universum gibt, von dem man keine Ahnung hat(te).

Wir gehören in Berlin nicht unbedingt zu denjenigen kulturellen Einrichtungen, die für jeden Berlin-Touristen ein Muss sind, aber die Besucher*innen sind vielfältig und wollen in ihrer Vielfalt auch wahrgenommen werden. Eine amerikanische Rabbinerin und ein syrischer Schriftsteller; eine Berliner Neuntklässlerin, die die Vorstellung von einem Gott genauso absurd findet wie den Glauben an den Weihnachtsmann; Familien, die einfach mal gucken wollen; Männer, die sagen, dass sie Geschichte genauso langweilig finden wie Bücherlesen, und Frauen, die sowieso schon alles wissen: Wir hätten sie gerne alle! Das ist kontinuierliche Arbeit, erfordert aber auch immer wieder neue Ideen und quere Ansätze.

Wir spüren ein großes Interesse bei Kitas und Grundschulen, mehr über das Judentum zu erfahren. Die Neue Synagoge Berlin ist ein Ort, an dem Judentum gelebt wurde und auch wieder gelebt wird, in all seiner Vielfalt, Religion zum Anfassen. Hier kann man im 2. Stock einen kleinen, aktuellen Synagogenraum und am Modell und auf Fotos den großen ehemaligen entdecken, warum also nicht selbst einen bauen, schaffend die Welt nachvollziehen? Kurze Video-Interviews im Repräsentantensaal mit Jüdinnen und Juden, die noch die vollständige Neue Synagoge kannten oder deren Eltern in Berlin vor 1933 gelebt haben, bieten Kennern vielschichtige Informationen zu zahlreichen Themen, aber für Schüler*innen im Geschichtsunterricht können sie auch ein Anlass sein, sich mit den gesamten Familiengeschichten, mit der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung im Nationalsozialismus, aber auch mit Fragen nach Identität, Emigration und Erinnerungskultur zu beschäftigen. Eine Ausstellung kann eine bestimmte Anzahl von Exponaten zeigen. In historischen Workshops versuchen wir, Schüler*innen – aber auch Erwachsenen – sichtbar zu machen, für welche Geschichte(n) ein Exponat steht und welche weiteren historischen Quellen sich hinter ihm verbergen. Viele Besucher*innen schätzen den Dialog, die Möglichkeit, Fragen zu stellen, Gehörtes zu diskutieren, andere wollen ungestört die Ausstellung besuchen. Wir versuchen, beiden gerecht zu werden. Und jüdische genauso wie nicht-jüdische Kinder möchten auf eigenen Wegen das Haus erkunden. Wir arbeiten daran, ihnen die Möglichkeit dazu zu geben – ein Heftchen für junge Entdecker*innen entsteht momentan. Die Synagoge stand und steht aber auch in Verbindung mit dem umgebenden Stadtraum, dessen Vergangenheit und Gegenwart wir gemeinsam mit den Besucher*innen erkunden.

Wir vermuten, dass dieser Ort, an dem es so viel Innovation, Hoffnung, Neugier und Wissen, Diskussionen und Streitereien gab und gibt, aber auch so viel Vorurteil, Zerstörung, Vernichtung und Leere, sich nur wenigen bei einem ersten Besuch in all seinen Facetten erschließt. Deshalb versuchen wir, auch Angebote zu machen, die sich nur mit einem kleinen Aspekt beschäftigen, diesen dann aber vertiefen. Wenn man sich für die Architektur der Synagoge interessiert, muss man sich nicht unbedingt für die Verfolgung im Nationalsozialismus interessieren. Wenn man wissen will, was Pessach ist, muss man sich nicht mit dem Wiederaufbau des Hauses und der Gründung der Stiftung Neue Synagoge Berlin beschäftigen. So banal es klingt, so schwierig ist es.

Sehen Sie sich unsere Bildungsangebote an, vielleicht entdecken Sie Interessantes, auch wenn Sie nie mehr unterrichtet werden wollten – für Ihren nächsten Berlin-Besuch, für Ihre Enkel, mit Ihren Kolleg*innen. Und unterrichten Sie uns, wenn wir Interessantes nicht bedacht haben!

Stefanie Nathow

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