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KINO KADDISH: Der Golem
Live Score / Filmkonzert

5. März 2026 - 18:00 - 21:30

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Kostenlos

5. März 2026 18:00 21:30

Der Golem, wie er in die Welt kam (Paul Wegener, D 1920) zählt zu den zentralen Werken des expressionistischen Stummfilms und der deutsch-jüdischen Filmgeschichte. Der Film erzählt die Legende des Prager Rabbis Löw, der einen Golem aus Ton erschafft, um die jüdische Gemeinde zu schützen. In seinen stark symbolischen Bildwelten verdichten sich religiöse Mythologie, moderne Ästhetik und zeitgenössische gesellschaftliche Spannungen zu einer ambivalenten Erzählung von Schutz, Macht und Kontrollverlust. Der Golem wird dabei gleichermaßen zur Projektionsfläche von Hoffnung wie von Angst und Gewalt, ein Spannungsfeld, das den Film bis heute politisch und kulturell relevant macht.

Als Schlüsselwerk der Weimarer Republik reflektiert der Film nicht nur jüdische Selbstverortung, sondern auch antisemitische Projektionen der Mehrheitsgesellschaft. Zwischen mythologischer Figur, moderner Technikmetapher und gesellschaftlicher Allegorie entfaltet sich ein vielschichtiger Bedeutungsraum, der Fragen nach kultureller Kontinuität, Erinnerung und Deutungshoheit bis in die Gegenwart hinein aufwirft

Live-Vertonung
Die Aufführung wird durch eine eigens konzipierte Live-Vertonung von Robyn Schulkowsky (Percussion) sowie Andi und Hannes Teichmann (Elektronik) neu interpretiert. Percussion, präparierte Klangobjekte und elektronische Texturen verweben sich zu immersiven Klangräumen, die den Stummfilm nicht illustrativ begleiten, sondern ihn als zeitgenössisches audiovisuelles Ereignis neu erfahrbar machen. Die musikalische Intervention versteht sich als Übersetzung des expressionistischen Bildraums in eine heutige klangliche Sprache und öffnet neue Wahrnehmungsebenen jenseits historischer Distanz.

Sprecher:innen und Musiker:innen

Dr. Lea Wohl von Haselberg
Filmwissenschaftlerin mit Schwerpunkt auf jüdischer Filmgeschichte und Erinnerungskultur. Sie analysiert Der Golem sowohl als Ausdruck filmischer Moderne als auch als Träger antisemitischer Projektionen und verfolgt die Transformation des Mythos von der Weimarer Zeit bis in die Gegenwart. In der Moderation verknüpft sie Diskurse aus Filmwissenschaft, Musik und Erinnerungspolitik.

Robyn Schulkowsky
International ausgezeichnete Perkussionistin und Pionierin experimenteller Klangräume mit Schwerpunkt auf Improvisation und interdisziplinären Projekten. Ihre Zusammenarbeit mit Komponisten und Künstler:innen wie John Cage, Morton Feldman oder Gustavo Dudamel hat die zeitgenössische Perkussionspraxis nachhaltig geprägt. In der Live-Vertonung verbindet sie experimentelle Virtuosität mit radikaler klanglicher Offenheit.

Andi Teichmann & Hannes Teichmann
Die Gebrüder Teichmann sind Musiker, Produzenten und Komponisten, bekannt für ihre Arbeit zwischen Clubkultur, experimenteller Elektronik und globalen Musiktraditionen. In internationalen Soundcamps und kollaborativen Projekten verbinden sie Klangexperimente, interkulturellen Austausch und kollektive Dialogformate. Ihre elektronische Live-Vertonung öffnet den Film für zeitgenössische Hörweisen und transkulturelle Bezüge.

Kostenlos

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